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Kiel – mittendrin // Woche im Schatten einer Bluttat

Kiel – mittendrin. Der Newsletter für die LandeshauptstadtKiel – mittendrin. Der Newsletter für die Landeshauptstadt
Kristian Blasel, Leiter der Lokalredaktion
Kristian Blasel, Leiter der Lokalredaktion
Liebe Leserinnen und Leser,
es ist ein Tag, wie ihn glücklicherweise Kiel nur ganz selten erlebt: Genau in unsere Mittagskonferenz platzte die Nachricht von einer Bluttat in Dänischenhagen, sogar von einem Amoklauf war zunächst die Rede. Noch dramatischer wurde die Situation, als kurz darauf der Großeinsatz der Polizei im Brauereiviertel bekannt wurde. Spezialkräfte der Polizei haben gleich mehrere Wohngebäude im Herzen der Stadt abgeriegelt. Während ich diese Zeilen schreibe ist der Täter - vermutlich schwer bewaffnet - noch auf der Flucht. Augenblicklich läuft eine größere Polizeiaktion am Westensee. Wir berichten seit vielen Stunden ohne Unterbrechung mit einem Liveticker. Und hoffen natürlich, dass es keine weiteren Opfer geben wird. Derzeit verdichten sich in der Redaktion die Hinweise, dass der Täter identifiziert wurde. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass es keine Gefahr für die Allgemeinheit gibt. Alle Indizien deuten auf eine Beziehungstat hin.
Im Vergleich dazu wirken alle anderen Debatten, die unsere Stadt derzeit beschäftigen, zweitrangig. Und doch gehören sie in diesen Brief. Ich versuche daher gar nicht erst eine krampfhafte Überleitung, sondern ändere abrupt das Thema.
Zwischen all den Regenschauern, Corona-Einschränkungen und Polizeimeldungen machte zuletzt allein der Blick nach vorn Spaß: Das Wetter kann in den nächsten Wochen nur besser werden, mit jeder Impfung steigt die Chance auf eine halbwegs normale Kieler Woche im September, und bis zum Jahr 2026 soll auch die Holstenstraße ein neues Gesicht bekommen.
Dass Kiels Fußgängerzone mit dem Charme eines 70er-Jahre-Schulhofs dringend neugestaltet werden muss, steht außer Frage. Seit vergangenem Mittwoch wissen wir, wie die Umgestaltung aussehen soll: Viel Wasser und mehr Bäume sollen dafür sorgen, dass sich die Menschen in der Innenstadt wohlfühlen - und auch dann noch kommen, wenn sich ein Teil der Einkäufe im Internet erledigen lässt. Die Visualisierungen sehen ohne Frage prima aus. Mir gefallen die Entwürfe. Bis es soweit ist, werden die leidgeprüften Kaufleute aber noch einmal die Zähne zusammenbeißen müssen. Jahrelange Baustellenbehinderungen, die durch den Bau des Holstenfleets ohnehin schon Gewohnheit sind, werden weiterhin zum Kieler Einkaufsalltag gehören.
Ein optimistischer Blick nach vorn ist auch gefragt, wenn es um die Verkehrswende an der Förde geht. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer legt der Ratsversammlung morgen seine “Bibel” dazu vor. Schon jetzt ist klar: Vor Kiel liegt ein mühsamer Weg. Grundsätzlich spricht alles dafür, mehr Menschen aufs Fahrrad und in den öffentlichen Personennahverkehr zu locken. Doch die zurückliegenden Debatten haben verdeutlicht, dass jeder Handwerker, jede Rentnerin, jeder Einzelhändler und jeder THW-Fan sich ungern reinreden lässt, wie die individuellen Alltagsziele am besten erreicht werden sollen.
Dass ein besseres Angebot hilft, ist jedoch ebenso unstrittig. Nächsten Dienstag wird die “Düsternbrook”, das erste vollelektrische Fährschiff für die Förde, getauft. Aber schon die Indienstnahme der Hybridfähre “Gaarden” hat gezeigt: Fahren ohne Diesel finden fast alle gut - über Wellenschlag, Sitzschalen und Optik kann aber herrlich gestritten werden. Entscheidender für die Verkehrswende in Kiel wird es aber sein, mit einer engen Taktung und langen Dienstzeiten tatsächlich Alternativen für Pendler zu schaffen, die derzeit in großer Zahl mit dem Pkw die Förde umrunden.
Der kurzfristige Blick nach vorn, und damit bleiben wir auf dem Wasser, gilt den Kreuzfahrern. Die stehen wieder in den Startlöchern, und Kiel soll dabei in den nächsten Wochen eine Schlüsselrolle spielen.
Und dann schreibe ich erstmals in diesem Newsletter über Holstein Kiel. Denn in diesen Tagen verschwimmen auch die Grenzen zwischen Sport- und Lokalredaktion. Die Frage, in welcher Gemütslage sich Kiel nach dem Spiel gegen Darmstadt am Sonntagnachmittag befindet, beschäftigt die gesamte Stadt. Heute Vormittag haben sich Polizei, Verwaltung und der Verein getroffen, um die Lage zu beraten. Wegen der Pandemie-Situation soll es keine offiziellen Veranstaltungen am Sonntag geben. Gefeiert wird im Fall der Fälle trotzdem, das ist gewiss. Hoffentlich friedlich und so, dass danach alle gesund bleiben.
Bauprojekt der Woche

Es ist ein Kieler Dauerbauprojekt: Die Sanierung und Umgestaltung der Kiellinie wird die Stadt noch Jahre beschäftigen. Immer wieder musste der Zeitplan schon überarbeitet werden. Irgendwann wird der Tag kommen, an dem sich nur noch die älteren Kielerinnen und Kieler an einen Blick auf die Förde ohne Bauzaun erinnern können.
Arbeiten am Berthold-Beitz-Ufer beginnen
Gastro-Tipp der Woche

Zum Start der Gastronomie, die nun auch in den Innenräumen für Getestete und Geimpfte öffnen darf, gibt es an dieser Stelle keinen konkreten Tipp, sondern einen Appell: Gehen Sie mal wieder Essen und nehmen Sie dafür gegebenenfalls die Mühe eines Tests auf sich. Die Gastronomen haben unfassbar harte Monate hinter sich. Sie brauchen unsere Unterstützung - jetzt, da es wieder möglich ist.
Gastronomen und Hoteliers sind vorbereitet
Zitat der Woche

Das mit der Kälte geht, wenn man erst einmal unter der kalten Dusche war.
Marlene Stäcker, begeisterte Schwimmerin, zum Start der Freibadsaison bei 13 Grad Wassertemperatur im Eiderbad
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Viele Grüße,
Ihr
Kristian Blasel
Leiter der Kieler Lokalredaktion
P.S. Haben Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter? Dann kontaktieren Sie mich unter kristian.blasel@kieler-nachrichten.de
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