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Kiel – mittendrin // Schwieriger Start nach der Sommerpause

Kiel – mittendrin. Der Newsletter für die LandeshauptstadtKiel – mittendrin. Der Newsletter für die Landeshauptstadt
Kristian Blasel, Leiter der Kieler Lokalredaktion
Kristian Blasel, Leiter der Kieler Lokalredaktion
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern endete im Kieler Landgericht einer der ungewöhnlichsten Prozesse der jüngeren Stadtgeschichte: Der 84-jährige Mann aus Heikendorf, der über Jahrzehnte in seinem Haus Waffen, Munition und Sprengstoff gesammelt hatte, wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und muss 250000 Euro zahlen. Doch viele Fragen sind noch offen. Was hat den Mann, der in seinem Keller einen Panzer lagerte, motiviert? Hat er seine Leidenschaft für Nazi-Zeug wirklich alleine für sich ausgelebt? Oder hat er sich auf dem Ostufer der Kieler Förde auch mit Gleichgesinnten getroffen? Spätestens seit bekannt wurde, dass es über seine Frau eine verwandtschaftliche Beziehung zu dem Helfer des mutmaßlichen Dreifachtäters vom Westensee gibt, sind die Ermittler in mehrfacher Hinsicht alarmiert. Es wäre überraschend, wenn das Urteil vom Dienstag tatsächlich der Schlusspunkt in dieser irren Geschichte wäre.
Ein unschönes Ende haben die Sommerferien aus Sicht des Kieler Rathauses gefunden. Die Kieler Woche, die im September eigentlich wieder “ganz nah am Original” gefeiert werden sollte, fällt weitgehend aus. Rechtzeitig wurde die Reißleine gezogen. Es ist eine richtige Entscheidung, wie mein Stellvertreter Dennis Betzholz treffend kommentiert hat. Traurig ist der Schritt gleichwohl, weil sich viele Menschen darauf gefreut hatten, wieder halbwegs normal feiern zu können. Und für die Standbetreiber ist es ein weiterer Rückschlag. Unbeschwertes Feiern aber wäre angesichts der labilen Corona-Lage kaum möglich gewesen. In Kiel haben sich die Inzidenzwerte zuletzt deutlich verschlechtert.
Geplatzt ist auch der Traum von einer reibungslos arbeitenden Rathauskooperation. Das Experiment, mit einem Bündnis von Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen die Ratspolitik für eine komplette Wahlperiode bestimmen zu können, ist gescheitert. Das hat auch mit Personen zu tun. Die menschliche Diskrepanz zwischen dem neuen liberalen Kreischef Dennys Bornhöft und der ebenfalls neuen grünen Kreisspitze aus Luca Köpping und Anna Langsch könnte größer kaum sein. Wenn das Vertrauen zwischen den Akteuren fehlt, können Differenzen in der Sache nicht mehr ausgeräumt werden. Und gerade beim Thema Verkehrswende, das die Kieler Kommunalpolitik noch viele Jahr bestimmen wird, liegen Liberale und Grüne weit auseinander. Nun ist im rot-grünen Lager viel Disziplin gefragt, um die eigene Politik mit der Einstimmenmehrheit durchsetzen zu können. Aber es ist vielleicht auch die Chance, mit wechselnden Mehrheiten Konflikte in der Ratsversammlung zu entschärfen.
Maximal angespannt ist derzeit die Stimmung im Bauausschuss. Der hat sich ungewöhnlicherweise in Abwesenheit von Dezernentin Doris Grondke getroffen und bitter über die Arbeitsweise der Dezernentin beschwert - zumindest die Vertreter der Oppositionsparteien tun dies inzwischen auch in aller Öffentlichkeit. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Sitzungen vielen Kommunalpolitikern nicht straff genug organisiert sind. Grondke wird auch vorgeworfen, nicht ausreichend zu informieren und ihr Dezernat nicht gut zu leiten. Die Kritik, gerade von der Ausschussvorsitzenden Sigrid Schröter (CDU), ist massiv. Entsprechend groß ist der Scherbenhaufen, den Grondke nach ihrem Urlaub zusammenkehren muss. Groß sind im Rathaus mittlerweile die Zweifel, ob das überhaupt möglich ist.
Und dann gibt es noch das Schilder-Chaos am Ziegelteich. Autofahrerinnen, Fußgänger, Busfahrerinnen und Polizisten waren zuletzt gleichermaßen verwirrt, wenn sie dort Anfang der Woche Straßenmarkierungen und Verkehrsschilder betrachtet haben. Nach unserer Anfrage bei der Stadt gab es kurzfristig einen Ortstermin. Nun wird nachgebessert. Wir werden für Sie schauen, ob die neuen Hinweise so klar sind, wie es die Menschen in der Stadt erwarten dürfen. Immerhin: Panzerverkehr muss dort nicht auch noch geregelt werden.
Der “Panther” des Heikendorfers muss übrigens an ein Museum verkauft werden. Genau da gehört er auch hin.
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Tut doch nicht so, als sei ich ein Fremdkörper. Ich bin eine vom Ostufer.
Serpil Midyatli, SPD Landesvorsitzende, auf der Kreismitgliederversammlung am Sonntag, wo sie nur mit knapper Mehrheit als Kandidatin für den Wahlkreis Kiel-Ost gewählt wurde.
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Es gibt nur wenige Themen, die Kielerinnen und Kieler mehr bewegt als die Kieler Woche. Das gilt noch mehr, wenn sie abgesagt wird - wie ein Blick auf die Zugriffszahlen in den vergangenen Tagen beweist.
Platz 1: Kieler Woche 2021: Stadt Kiel sagt alle großen Veranstaltungen ab
Platz 2: Polizei stoppt illegales Autorennen auf dem Wall
Platz 3: Kieler Woche 2021: Absage sorgt für reichlich Diskussionsstoff
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Viele Grüße,
Ihr
Kristian Blasel
Leiter der Kieler Lokalredaktion
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