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Kiel – mittendrin // Möbel Höffner: Eine Irrfahrt wird zum Politikum

Kiel – mittendrin. Der Newsletter für die LandeshauptstadtKiel – mittendrin. Der Newsletter für die Landeshauptstadt
Liebe Leserinnen und Leser,
wer schon mal ein Haus gebaut, den Knick eines Ackers verlegt oder einen Baum an einer Straße gefällt hat, der weiß: Alles bedarf einer Genehmigung - und wehe dem, der sein Grundstück dabei auch nur wenige Zentimeter überschreitet. Was für den normalen Bürger gilt, das gilt natürlich auch für große Unternehmen. Der Aufschrei von Stadt, Kommunalpolitik und Naturschützern war in der vergangenen Woche deshalb nachvollziehbar groß: Denn ausgerechnet der Möbelkonzern Höffner, der mit seinem Bauprojekt am Prüner Schlag in Kiel schon mehrfach für Schlagzeilen sorgte, hat seine Baufläche unerlaubt erweitert, indem er zu viel Fläche abgeholzt und gegen Naturschutzauflagen verstoßen hat. Ein Versehen sagt das Unternehmen: Ein Baggerfahrer habe nicht richtig auf den Plan geschaut.
Die Stadt spricht aufgrund der Ausmaßen mittlerweile von einem “Desaster”, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer von einem “Umweltfrevel” und mein Kollege Kristian Blasel kommentierte dies mit den Worten sehr treffend: “Dass das Image eines Unternehmens schon vor dem Start an einem Standort derart ramponiert ist, hat Seltenheitswert.” Die Stadt verhängte schließlich gegen das Unternehmen ein hohes Bußgeld, sogar die Staatsanwaltschaft prüft die Sache. Doch damit nicht genug: Die Opposition wirft dem Rathaus vor, viel zu spät über den Vorfall in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Und tatsächlich wusste Baudezernentin Doris Grondke nach eigenen Aussagen bereits seit Ende November über die Geschehnisse am Prüner Schlag, ohne die Selbstverwaltung allerdings in angemessener Deutlichkeit darüber zu informieren. Eins steht deshalb schon jetzt fest: Dieser Vorfall wird noch nachklingen.
Nachklingen tut auch der Vorfall im Altenzentrum St. Nicolai, dem bislang schlimmsten Corona-Ausbruch in Kiel mit mittlerweile 14 Toten. Was die Verantwortlichen des Alten- und Pflegeheims, darunter auch die Heimleiterin, aus der Katastrophe gelernt haben, erzählten sie mir im Interview. Die Lehren sind auch für andere Einrichtungen interessant, schließlich ist die Zahl der Verstorbenen gerade in den sensiblen Bereichen hoch. Knapp die Hälfte der inzwischen 68 Kielerinnen und Kieler, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben sind, lebten in Alten- und Pflegeheimen.
Wie schnell sich das Virus verbreiten kann, lässt auch der Ausbruch im Lubinus Clinicum in Kiel erahnen. 21 Menschen, darunter sieben Patienten, wurden positiv auf das Virus getestet, erkrankt ist zum Glück noch niemand. Wollen wir hoffen, dass das so bleibt.
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“Das kommt auf die Kompromissfähigkeit aller drei Partner an.”
Gesa Langfeldt, Fraktionsvorsitzende der Kieler SPD, ließ die Frage bei der Halbzeitbilanz der Kooperation aus SPD, Grünen und FDP betont offen, ob die Ampel-Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode in 2023 hält. Die Grünen-Chefinnen unterstrich die Zweifel sogar. Den dazugehörigen Text unseres Rathausreporters Michael Kluth lesen Sie hier.
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Viele Grüße,
Ihr
Dennis Betzholz
Stv. Leiter der Kieler Lokalredaktion
Falls Sie Fragen oder Anregungen haben, schreiben Sie mir an dennis.betzholz@kieler-nachrichten.de!
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