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Kiel – mittendrin // Mit einer Hand an der Notbremse

Kiel – mittendrin. Der Newsletter für die LandeshauptstadtKiel – mittendrin. Der Newsletter für die Landeshauptstadt
Dennis Betzholz, stellv. Lokalchef Kiel
Dennis Betzholz, stellv. Lokalchef Kiel
Liebe Leserinnen und Leser,
die Zahl 100 hat neuerdings ein ziemliches Imageproblem. Früher stand sie für die volle Punktzahl, sie war Superlativ (“Ich setze mich zu 100 Prozent für die Sache ein!”) und die Krönung jedes Grundschülers, der das kleine Einmaleins erlernte. Sie stand für kochendes Wasser, das wiederum für so genüssliche Dinge wie Tee, Kaffee und das Mittagessen sorgte, und wer sich bei Demonstrationen die maximale Sicherheit wünschte, der bekam sie durch eine Hundertschaft. Und heute? Versetzt diese Zahl ganze Städte und Kreise in Angst und Schrecken.
100 ist die neue 13, eine Unglückszahl.
In Kiel ließ sich das in dieser Woche sehr gut beobachten, was passiert, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz auch nur für einen Tag der Zahl 100 nahekommt. 99,6 meldete das Robert-Koch-Institut für vergangenen Sonnabend. Die anschließende Aufregung hat einen nachvollziehbaren Grund: Bleibt der Inzidenzwert an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100, greift die auf Bundesebene beschlossene “Notbremse” und in Kiel gilt eine nächtliche Ausgangssperre. Auch das Einkaufen wäre nur noch mit einem negativen Corona-Test möglich (was die Händler in Kiel natürlich besser finden, als ganz zu schließen), Schulen würden wieder in den Distanzunterricht wechseln und Kontakte würden auf eine Person eines weiteren Haushalts reduziert. Gruselig, diese Zahl 100.
Doch wie in guten Horrorfilmen bringt es auch in dieser Pandemie nichts, wenn sich das spätere Opfer im Schrank versteckt - es muss aktiv werden, handeln. Die Stadt hat in den vergangenen Wochen mehrfach darauf hingewiesen, dass sich das Virus vor allem unter Migranten und in Stadtteilen verbreitet, in denen viele Menschen auf engstem Raum leben. Die Verwaltung hat deshalb Kleinkünstler “Shorty” nach Kiel-Gaarden entsandt, der dort auf die Hygieneregeln hinweisen und Masken verteilen soll. Wenige Tage zuvor hat die Polizei auf dem Vinetaplatz in Gaarden die Maskenpflicht kontrolliert und 37 Personen erwischt. Allen droht nun ein Bußgeld in Höhe von jeweils 150 Euro.
Weniger gefordert war die Polizei stattdessen in anderen Bereichen: Die Zahl der Straftaten in Kiel ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit 40 Jahren gesunken. Welcher Einbrecher traut sich auch während eines Lockdowns, in ein Haus einzusteigen? Wo sollen Taschendiebe erfolgreich sein, wenn keine Geschäfte geöffnet haben? Und wie soll man jemanden niederschlagen bei einem Mindestabstand von 1,5 Meter? Aber machen Sie sich keine Sorgen um die Branche der Kriminellen: Sie sattelten 2020 um auf Betrug und Vermögensdelikte im Internet, wie mein Kollege Frank Behling berichtet. In seinem Bericht können Sie anhand von vielen Grafiken einen genauen Einblick in die aktuelle Kriminalitätsstatistik bekommen.
Und dann war da in dieser Woche ja noch die Sache mit dem Kieler Schloss. Wie soll dieses geschichtliche Gebäude in Zukunft genutzt werden? Rolf Fischer, der Vorsitzende der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, hat dazu eine klare Vorstellung: Dort sollte die Geschichte Kiels präsentiert werden, eine museale Nutzung. Stadtbaurätin Doris Grondke aber will zunächst die Bürgerinnen und Bürger befragen, was sie sich wünschen. Sie sollen die Zukunft des Kieler Schlosses mitgestalten. Wie das Ganze ausgeht? Sie werden es hier erfahren, und ich füge diesmal ganz bewusst hinzu: zu 100 Prozent.
Bauprojekt der Woche, Größe XXL

Welch ein gigantisches Projekt, welch eine spektakuläre Architektur: Wer bei bei den Visualisierungen des Hochhauses “KoolKiel”, das eines Tages aussehen soll wie ein Jenga-Turm kurz vor Spielende, noch cool bleibt, der lässt sich von Bauwerken wohl grundsätzlich nicht begeistern. Für alle, die eine neue Wohnung suchen, sei aber gesagt: Mit dem Einzug wird es erst frühestens 2025 etwas.
Wohnungsbau statt Hotel im verrückten Hochhaus von Kiel-Gaarden
Bauprojekt der Woche, Größe M

Im Vergleich zu “KoolKiel” wirkt dieses Projekt fast ein wenig mickrig. Doch so ein Vergleich wäre unfair. Denn das Grundstück in bester Lage punktet vor allem durch seine Vorgeschichte: Statt der Felsenhalle sollen dort bald drei Wohnhäuser stehen.
Auf dem Grundstück der Felsenhalle entstehen drei Wohnhäuser
Gastro-Tipp der Woche

Das Dosenbier mit dem guten Gefühl
Zitat der Woche

Mir wurde unmissverständlich klargemacht, dass ich im Vorstand unerwünscht bin.
Der unterlegene Bewerber um die Bundestagskandidatur, Bastian Mahmoodi, ist aus der SPD ausgetreten. Er fühlt sich bei der anstehenden Neuwahl des Kreisvorstands ausgebootet. Doch die Unruhe in der SPD zeigt sich noch an einer anderen Stelle.
Meistgelesen in Kiel

Platz 1: Die Sorge vor einer Ausgangssperre in Kiel hat auch die KN-online-Leser umgetrieben. Warum die Zahlen steigen und welche Regeln sich ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 verschärfen, lesen Sie hier.
Platz 2: Für Frischvermählte ist das wohl der Albtraum hoch zwei: Ein Kieler Ehepaar hat kurz nach seiner Hochzeit erfahren, dass es seine Flitterwochen in Quarantäne verbringen musste - und das ausgerechnet, weil die Standesbeamtin mit dem Coronavirus infiziert war. Meine Kollegin Jorid Behn hat nachgefragt, ob die innige Zweisamkeit die beiden auf eine Probe gestellt oder noch weiter zusammengeschweißt hat?
Platz 3: Entzug der Fahrerlaubnis, 20 Monate Führerscheinsperre und 600 Euro Geldbuße an den Entschädigungsfonds der Verkehrsopferhilfe: Mit diesem Urteil endete vergangene Woche im Kieler Amtsgericht der Prozess gegen einen jungen Raser.
Meine Kieler Lieblingsgeschichte

Wie läuft eine Bombenentschärfung ab? Wie werden die Häuser im nahen Umfeld des Fundortes evakuiert? Und wer sind diese mutigen Männer, die einer Bombe die explosive Kraft nehmen? Wen das genauso interessiert wie mich, kann das in unserem Live-Blog vom vergangenen Sonntag nachlesen. Kleiner Spoiler: Es war hochspannend, aber mit einem Happy End.
Liveblog aus Kiel: So lief die Entschärfung der Bombe in der Haßstraße
Viele Grüße,
Ihr
Dennis Betzholz
Stv. Leiter der Kieler Lokalredaktion
Falls Sie Fragen oder Anregungen haben, schreiben Sie mir an dennis.betzholz@kieler-nachrichten.de!
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