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Kiel – mittendrin // Drei Tote und viele offene Fragen

Kiel – mittendrin. Der Newsletter für die LandeshauptstadtKiel – mittendrin. Der Newsletter für die Landeshauptstadt
Liebe Leserinnen und Leser,
seit knapp elf Monaten schreibe ich im wöchentlichen Wechsel mit meinen beiden Kollegen diesen Newsletter. Noch nie fiel es mir schwerer, die richtigen Eingangsworte zu finden. Noch nie war es schwerer, ein Thema, das diese Region und wohl jeden Einzelnen bewegt, angemessen zu beschreiben. Drei Menschen sind tot, vier minderjährige Kinder haben ihre Mutter verloren und einen mutmaßlichen Mörder als Vater, zwei weitere Kinder und ein Enkelkind trauern um ihren Vater und Großvater. Die tödlichen Schüsse von Dänischenhagen und Kiel sind schwer zu ertragen, als Vater, als Mensch. So viel Leid.
Ich erlebe seit vergangenem Mittwoch Menschen in meinem persönlichen Umfeld, die plötzlich zu Hobbyermittlern werden. Die rätseln, warum sich der Täter ausgerechnet in Hamburg gestellt hat, warum er überhaupt einen Leihwagen genommen hat und wer der zweite Mann ist, der die Waffenteile entsorgt haben soll. Wir als Zeitung und Online-Portal erleben zudem Zugriffszahlen wie noch nie. Die drei meist geklickten Texte der letzten sieben Tage handeln allesamt von dem Blutbad, für das ein Zahnarzt aus Westensee verantwortlich ist - auch ein Novum der vergangenen elf Monate. Seit der Tat arbeiten viele unserer Redakteure an dem Fall. Erst heute waren zwei Reporter und ein Fotograf vor Ort, als die Polizeitaucher im Nord-Ostsee-Kanal unterhalb der Levensauer Hochbrücke nach Waffenteilen gesucht haben. Wir waren vergangene Woche vor Ort, als die Polizei das Kieler Brauereiviertel abriegelte und als die Spurensicherung am Tatort in Dänischenhagen und im Wohnhaus des mutmaßlichen Täters in Westensee ermittelt hat. Und wir haben mit sechs Reportern recherchiert, um ein möglichst detailliertes Psychogramm des Täters zu erstellen. Herausgekommen sind in den vergangenen sieben Tagen zahlreiche Texte, Fotos und Videos, die Ihnen helfen, das Geschehene aus verschiedenen Blickwinkeln nachzuverfolgen. Und es werden, so viel steht fest, viele weitere folgen. Denn dieses Verbrechen hält noch eine Menge offene Fragen bereit. Wir bleiben für Sie dran.
Wie auch am Thema Corona. Die zurückliegende Woche endete mit dem ersten Kreuzfahrt-Wochenende in Deutschland, sowohl Aida als auch Tui schickten jeweils ein Schiff von Kiel aus auf die Ostsee. Die Vorfreude war sowohl bei der Crew als auch bei den Passagieren groß, wenngleich die Reise mit vier Tagen eher eine kleine war. Und doch gibt dieses Ereignis Hoffnung, dass das schlimmste überwunden ist, dass wir bald alle geimpft und auf Reisen gehen können. Der Weg ist allerdings noch ein längerer: Erst am Dienstag vermeldete die Stadt den 100. Toten im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Eine traurige Zahl, leider aber wohl nicht das Ende.
Falls Sie angesichts dieser dramatischen Woche und der vielen Nachrichten rund um das Blutbad in unmittelbarer Nähe nichts anderes aus Ihrer Stadt mitbekommen haben, darf ich Ihnen berichten, dass die Stadt die Zukunft des Fährverkehrs auf der Förde plant, mit engerer Taktung, günstigeren Ticketpreisen und längeren Betriebszeiten. Ich kann Ihnen mitteilen, dass in dieser Stunde in Leipzig über das Fahrverbot am Theodor-Heuss-Ring verhandelt wird, und dass Oberbürgermeister Ulf Kämpfer trotz skeptischer Worte vom Wirtschaftsminister Bernd Buchholz weiterhin an die Ausrichtung der Kieler Woche im September glaubt.
Und es gab noch einiges mehr …
Bauprojekt der Woche

Direkt am Wasser: An der Hörn entstehen 174 neue Mietwohnungen
Gastro-Tipp der Woche

Mathias Apelt hat an der Kiellinie das Restaurant Flygge eröffnet
Zitat der Woche

Natürlich liegt es nicht in der Absicht der Kirche, Menschen den Tod nahezulegen.
Pröpstin Almut Witt reagierte damit auf die Beschwerde des Kielers Lutz Liedtke, der Leidtragender des neuen Grabnutzungsrechtes des Kirchenkreises Altholstein sein könnte. Demnach können Grabstätten ab kommendem Jahr nur noch bis Ende dieses Jahres um höchstens 25 Jahre verlängert werden. Damit Herr Liedtke jedoch wie geplant neben seiner Frau bestattet werden kann, darf er maximal 96 Jahre alt werden. Die Pröpstin hat aber Gesprächsbereitschaft signalisiert und will bei Härtefällen eine Lösung finden. Aber lesen Sie selbst.
Meistgelesen in Kiel

Platz 1: Die wichtigsten Informationen zu den tödlichen Schüssen kostenlos
Platz 2: Was wir wissen und was nicht
Platz 3: Täter stellt sich in Hamburg
Meine Kieler Lieblingsgeschichte

Noch eine Facette des mutmaßlichen Dreifachmordes, aber eine ziemlich kuriose. Eine Geschichte, die kaum zu glauben ist und eher an ein Drehbuch aus Hollywood erinnert. Weil er ein großes, weißes Auto fuhr, gemietet bei derselben Leihwagenfirma wie das Täterfahrzeug, geriet der Kieler Student Arslan Nasir Baluch für mehrere Stunden ins Visier der Polizei. Nach der Lektüre wissen Sie, warum am Mittwoch das Brauereiviertel über Stunden abgeriegelt war.
Verwechslung sorgte für SEK-Einsatz im Brauereiviertel
Viele Grüße,
Ihr
Dennis Betzholz
Stv. Leiter der Kieler Lokalredaktion
Falls Sie Fragen oder Anregungen haben, schreiben Sie mir an dennis.betzholz@kieler-nachrichten.de!
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