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Der große Frostdown

Kiel – mittendrin. Der Newsletter für die LandeshauptstadtKiel – mittendrin. Der Newsletter für die Landeshauptstadt
Dennis Betzholz, stellvertretender Lokalchef
Dennis Betzholz, stellvertretender Lokalchef
Liebe Leserinnen und Leser,
nur falls Sie in den vergangenen sieben Tagen verreist waren: Sie haben einiges verpasst. Eine Nachrichten-Woche im Zeitraffer: Halb-Kiel nach Rohrbruch im Frostdown, Corona-Hotspot Kiel, Raser-Hochburg Kiel, eine Kielerin wird Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung - und das sind nur die Ereignisse, die bundesweit wahrgenommen wurden.
So, tief Luft holen und der Reihe nach.
Für mindestens 500 Haushalte war es von Sonntagmorgen bis zum späten Montagabend sehr ungemütlich in den eigenen vier Wänden. Ein Rohrbruch im Fernwärmesystem an der Holtenauer Straße ließ bei Außen-Temperaturen um den Gefrierpunkt Hunderte Menschen frieren. Im Laufe des Sonntags waren sogar weit mehr Kielerinnen und Kieler betroffen, nach Angaben der Stadtwerke wirkte sich der Schaden auf das gesamte Stadtgebiet aus. Meine Kollegen Frank Behling und Niklas Wieczorek hielten Sie an beiden Tagen mit allem Wissenswerten auf dem Laufenden. Neben den neuesten Nachrichten von der Baustelle erklärten sie Ihnen, warum ein einziger Rohrbruch solch gewaltige Auswirkungen hat, wie es zu der grünen Färbung des “Kleinen Kiel” kam und fragten Stadtwerke-Chef Teupen, ob das Fernwärmenetz insgesamt marode ist.
Obwohl die Sorgen vieler Kielerinnen und Kieler wegen des Heizungsausfalls andere waren, hat die Corona-Lage die Stadt nach wie vor im Griff. Kiel gehörte in dieser Woche mit einer Inzidenz von knapp 800 zu den zehn Kommunen in Deutschland mit dem höchsten Wert. Das wirkte sich auf viele Bereiche aus: Das Gesundheitsamt stößt bei der Information von Infizierten an seine Grenzen und erwägt, die Bundeswehr anzufordern. Das Kieler Testlabor Krause ist ebenfalls am Limit und stellte die Sequenzierung der Proben, die für die Bestimmung der Virusvariante (noch Delta oder schon Omikron) nötig sind, aus Zeitgründen ein. Das Städtische Krankenhaus zog ebenfalls die Notbremse und verhängte ein generelles Besuchsverbot. Und gleichzeitig war Kiel Schauplatz einer Groß-Demonstration: 1700 Menschen zogen am vergangenen Donnerstagabend durch die Innenstadt und protestierten gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung. Es sind anspruchsvolle Zeiten!
Platz eins und zwei für Kiel im deutschen Städtevergleich - nur leider auf einem nicht sehr ruhmreichen Gebiet. Nirgendwo in der Republik überschreiten Autofahrer so oft das Tempo-50-Limit um mindestens 10 km/h wie in der Landeshauptstadt. Bei Tempo-30-Straßen schneidet nur Dresden schlechter ab. Gemessen hat der Navigationsdienst TomTom nachts zwischen 0 und 5 Uhr, immer von Montag bis Freitag, ausgewertet hat die Daten der “Spiegel”. Nun lässt sich leicht sagen: “Na, um die Uhrzeit schlafe ich und fahre kein Auto.” Wer aber auf sein eigenes Fahrverhalten und das der anderen Verkehrsteilnehmer blickt, stellt womöglich fest: Die Statistik kann leicht auf die Tageszeiten übertragen werden. Doch welche Rolle spielen zudem zu breite Straßen, Tempolimits an wenig nachvollziehbaren Orten oder die geringen Bußgelder? Diese Frage habe ich dem Ordnungsdezernenten der Stadt, der Polizei, einem Fahrlehrer und einem Verkehrswissenschaftler gestellt. Die Antworten waren zum Teil sehr erstaunlich.
Fehlt nur noch Kiels neue starke Frau in der Bundesregierung. Dazu aber erst ganz am Ende dieses Newsletters.
Bauprojekt der Woche

Sie schufteten nachts, im Schnee und Regen, mit großem Gerät oder millimetergenauem Werkzeug: Ein Team aus Tiefbauern, Schweißern und Baggerfahrern hat Kiel wieder warm gemacht. Sie reparierten den Rohrbruch an der Holtenauer Straße und haben sich im Namen aller betroffenen Kielerinnen und Kieler den Titel “Helden der Woche” redlich verdient. Die Geschichte von Frank Behling über diese Herren lesen Sie hier:
Dieses Team reparierte die Fernwärmeleitung
Gastro-Tipp der Woche

Restauranttest: So schmeckt es im Tajin in Kiel
Zitat der Woche

“Ich bin sehr traurig und verwundert über die Entscheidung.”
Ralf Kretschmer (CDU), stellvertretender Vorsitzender des Ortsbeirats Schreventeich-Hasseldieksdamm, blickt mit Sorge auf die Schließungspläne der Postbank. Mein Kollege Jonas Bickel hat die Reaktion der Politik und der Kunden eingeholt und auch seine Meinung zu der Schließung im Herbst dieses Jahres aufgeschrieben. Neben der Filiale am Lessingplatz wird das Post-Netz in Kiel auch an anderen Orten weiter ausgedünnt: So gibt ein Kioskbesitzer in Gaarden seinen Paketshop auf, während beim Edeka Fiedler in Suchsdorf die Postfiliale gestrichen wird.
Meistgelesen in Kiel

Das Ranking der meistgelesenen Artikel dieser Woche überrascht nicht: Alle wollten wissen, warum ihre Heizung nicht funktioniert.
Platz 2: Alles Wissenswerte zum Rohrbruch als Kostenfrei-Version
Platz 3: Wieso ein einziger Rohrbruch derart große Auswirkungen hat
Meine Kieler Lieblingsgeschichte

Welch eine schöne Nachricht zum Ende: Kiel ist ab sofort Teil der Bundesregierung. Und zwar in Person von Grünen-Politikerin Luise Amtsberg. Sie wurde in der vergangenen Woche zur Beauftragten für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe ernannt. Sie hat nun ihren Sitz im Auswärtigen Amt. Dass das die richtige Entscheidung war, findet nicht nur unser Rathauskorrespondent Michael Kluth, der die Kielerin erst vor wenigen Monaten zum Sommerinterview im Vorfeld der Bundestagswahl getroffen hat. Damals sagte sie: “Starke Frauen braucht das Land.” Jetzt hat es eine weitere.
Luise Amtsberg aus Kiel ist Deutschlands neue Menschenrechtsbeauftragte
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Viele Grüße,
Ihr
Dennis Betzholz
Stv. Leiter der Kieler Lokalredaktion
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